Schon Wochen vorher geplant und riesig darauf gefreut. Gesine, Anja und Harald wollen von Berlin nach Hamburg fahren.

Die Gelegenheit nutze ich doch glatt um nach Berlin zu fahren um gemeinsam mit den 3 wieder zurück zu fahren. Doch am Vorabend plötzlich der schreck. Unsere Pläne laufen komplett an einander vorbei. Die 3 starten nicht erst Sonntag Früh in Berlin sonder schon am Samstag morgen! Mist! Wir haben es also Freitag Abend 22uhr und ich habe noch etwa 10 Stunden um nach Berlin zu kommen… Das wird doch nix. Schlafen müsste ich ja auch mal noch.Also kurzerhand den Wecker auf 3:45 Uhr gestellt. Den 3 Bescheid gesagt das ich leider nicht am Treffpunkt sein werde, ihnen aber entgegen komme und dann können wir gemeinsam wieder zurück. Also schnell ins Bett noch ein paar Minuten schlafen und dann geht’s los.

Halb 5, noch etwas im Halbschlaf aber hoch motiviert sitze ich dann schon auf dem Radel und fahre Richtung Berlin.In der Gruppe wurde noch diskutiert ob man evtl Regensachen brauch oder ehr nicht – Harald versicherte – nein es bleibt trocken. Womit er auch recht behalten sollte, zumindestens wenn man davon ausgeht um 8 in Berlin zu starten. Denn zu meiner Zeit sah die Wetterlage so aus:

Es schneite eine Stunde lang und alles war in eine weiße Pracht gehüllt. Ja der April macht wie immer was er will. Ich pedaliere also weiter durch die weiße Pracht und bin zufrieden. Ist immerhin besser als Regen. 😁

In Bleckede mache ich die erste kurze Pause. Das Wetter hat sich etwas beruhigt und ich gönne mir ein kleines Stückchen Kuchen und einen Kaffee zum Frühstück. Wir haben es halb 8. In einer halben Stunde werden die 3 in Berlin starten. Nach der kurzen Kaffeepause geht es weiter über den Kniepenberg Richtung Hitzacker und dann immer weiter entlang der Elbe.

Gegen halb neun verschwinden die letzten Reste der weißen Pracht und es wird langsam etwas wärmer. Ab jetzt macht mir nur noch der Wind zu schaffen. Es gibt doch nix schöneres als endlos lange geraden über freie Felder bei direktem Gegenwind 😊

Aber egal schließlich muss ich die Strecke ja auch noch zurück und dann tut etwas Rückenwind bestimmt gut. Es dauert garnicht mehr lange und ich bin in Wittenberge – der Mittelpunkt zwischen Hamburg und Berlin. Hier werden wir nachher den obligatorischen Pizza stop im PizzaPoint machen. Ein Blick auf Spotwalla verrät mir: bis nach Havelberg werde ich es vor den anderen wohl nicht mehr schaffen. Also treffen wir uns irgendwo dazwischen. Eigentlich hatte ich gehofft es noch bis dahin zu schaffen um mir im örtlichen Fahrrad Laden etwas Öl für die Kette zu holen. Das Wetter heute morgen hat scheinbar alle Ölreste die noch auf der Kette waren abgespült und diese quitierte es mit permanenten rasseln und quietschen. Ein Graus. Ob die Mädels etwas dabei haben? Harald bestimmt – obwohl er fährt doch glaube einen Riemen Antrieb. Mist. Naja wenigstens hört man mich so kommen 😁

Schon bald stehe ich an einer abgesperrten Brücke. Die Brücke kenne ich, vor 2 Wochen erst habe ich sie schon mal überquert. Da stand allerdings noch ein Kran in der Mitte. Ob die anderen wohl über die abgesperrten Bereiche fahren? Ich fahre mal lieber außen herum. Wir müssten uns bald treffen. Wenn ich auf dieser Seite des Flusses fahre kann ich die andere Seite gut überblicken. Ich werde schon sehen wenn mir die anderen auf der gegenüberliegende Seite entgegen kommen.

Und siehe da! 4 Radler auf der anderen Seite. Moment, 4? Ich suche doch nach drei. Aber das müssen sie sein. Also umdrehen und mit den anderen parallel zurück fahren. Nach ein paar mal hin und her winken wird klar. Es sind die richtigen. Wieder geht es zurück bis zur Brücke wo wir uns dann treffen.

Und siehe da! Harald der Lebensretter hat Kettenöl mit – meine Rettung. Endlich gibt die Kette Ruhe.

Schnell wird klar das Anja schon etwas angeschlagen ist und wir Rollen erst mal gemütlich zurück nach Wittenberge. Hier gibt es die verdiente Pizza und für mich den bewährten Auflauf.

Nach langem hin und her und gemeinsamen Toiletten gängen beschließen die Frauen zum nächsten Bahnhof zu fahren und den Rest mit dem Zug zu überbrücken. Man soll ja aufhören wenn es am schönsten ist. Sie beenden die Tour mit 160km und werden in naher Zukunft die andere Hälfte der Strecke noch nachholen.

Für Harald und mich geht es nach dem Essen weiter Richtung Heimat. Und das garnicht mal so langsam. Harald der mir bislang ehr als gemütlicher Radler bekannt war zeigte mir das er doch recht flott unterwegs sein kann – zumindest für meine Verhältnisse – und gab auf den letzten 150km das Tempo vor.

Kurze Foto Stops gehören dazu. Natürlich auch beim ehemaligen Grenzübergang. Manchmal habe ich das Gefühl das ich bereits jedes dieser Schilder mehrfach fotografiert habe. Aber irgendwie hält man trotzdem immer wieder kurz inne.

Wieder im Goldenen-westen angekommen. Wird es auch schon bald dunkel und wir pedalieren zügig durch die Nacht. Noch einmal geht es hoch auf den Kniepenberg und wieder runter.

Noch 2 kurze Stopps, einmal an einer netten Milchtankstelle und einmal an einer Bushaltestelle um etwas zu trinken und ein paar Nüsse ein zu werfen und schon wenige Augenblicke später Rollen wir in Bergedorf ein.

350km sind es an diesem Tag geworden. Eine gemütliche Hinfahrt und ein flotter Rückweg. Hier war ich etwas über mich selbst erstaunt das ich trotz der ehr schnelleren Rückfahrt noch gut Reserven hatte als ich zu Hause ankam. Seit langem fühlte ich mich wieder richtig fit und bereit auch längere Strecken schwungvoll an zu gehen.

Jetzt heißt es aber erst einmal 4 Tage Pause und dann auf zur nächsten Tour.